Ejercicio 1 — Text A: Steine der Erinnerung
Comprensión escrita6 puntosText A
Steine der Erinnerung
1992 hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig eine Idee. Er wollte 10 x 10 x 10 Zentimeter große Steine mit einer Metallplatte auf der Straße verlegen. Die Metallplatte soll an eine Person erinnern, die von den Nationalsozialisten ins Exil vertrieben oder ermordet worden war. Name der Person, Geburtsdatum und Geburtsort, Tag der Deportation oder der Flucht sowie Tag und Ort des Todes oder der Befreiung – nur das sollte auf der Metallplatte stehen. Darüber sollten die Menschen dann in ihrem Alltag stolpern und auf diese Weise etwas über das Leben der Personen erfahren. Daher auch der Name: Stolpersteine. Heute gibt es mehr als 75.000 Stolpersteine in über 20 Ländern – Gunter Demnigs Idee hatte Erfolg und ist das größte Denkmal der Welt.
„Warum machen wir das nicht auch in Madrid?“, dachten sich Isabel Martínez und Jesús Rodríguez, ein Ehepaar aus der spanischen Hauptstadt. In Katalonien gab es schon ein paar Stolpersteine. Isabel und Jesús hatten bis zu ihrer Rente in einer Bank gearbeitet und wollten etwas für die spanischen Opfer des Nationalsozialismus tun: „In unserer Familie wurde niemand deportiert, aber wir finden es eine sehr wichtige Aktion.“ So kontaktierten sie Gunter Demnig. Der war einverstanden, und die beiden machten sich an die Arbeit.
Seither suchen sie in Archiven nach Namen und Daten von Deportierten. Sie suchen aber auch nach Verwandten und fragen sie, ob sie einen Stein für ihre Familienangehörigen wünschen. Wenn die Verwandten es wollen, muss man nur noch die Erlaubnis des Rathauses bekommen. Und dann werden an einem Tag bis zu fünfzehn Steine verlegt, über die man in verschiedenen Madrider Stadtvierteln stolpern kann, genau vor den Häusern, in denen die Deportierten einmal gewohnt haben. So gibt es heute in Madrid mehr als 60 Stolpersteine.
Quelle: www.derstandard.at (adaptiert)
Glossar
verlegen – etwas (hier: einen Stein) am Boden anbringen
vertreiben – jemanden aus einem Haus oder einem Land hinauswerfen
ermorden – jemanden ums Leben bringen, töten
die Befreiung – wenn jemand, der oder die gefangen war, frei wird
stolpern – über etwas fallen, das am Boden liegt